Das ist doch kein richtiger Amateurfunk ...

Im nachfolgenden Artikel nehme ich mein Recht auf freie Meinungsäußerung gem. Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG) sowie das Zitatrecht gem. § 51 Urheberrechtsgesetz (UhRG) wahr.

Was ist eine Meinung? Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen und das soll sie auch!


"Das ist doch kein richtiger Amateurfunk ...!"

Wie oft hatte ich diesen Spruch bis heute gehört.

Seit ich 2014 die Amateurfunkprüfung zur Klasse E abgelegt hatte, ging der DARC e.V. Spießrutenlauf los. Alles, was den elitären DARC e.V. Mitgliedern und Funktionsträgern nicht geheuer vorkam oder bekannt war, wurde kategorisch abgelehnt und das war schon eine ganze Menge!

Von PowerPole Steckern über digitale Betriebsarten wie WSJT-X, VarAC oder WSPR, SDR Technik, QSL und Diplom Online Dienste, alles war schlecht und wurde madig gemacht, nur weil die älteren Herren selbst davon nicht den Hauch einer Ahnunge hatten.

Da hilft auf Dauer nur Abstand ... Was der Bauer nicht kennt ...


Picture KI generated - Das ist kein richtiger Amateurfunk ...

Kein richtiger Amateurfunk

"JT65 ist kein richtiger Amateurfunk, da macht der Computer doch alles alleine!"

Solche und noch ganz andere Sprüche waren auf 2m an der Tagesordnung. Irgendwann aber gewann dann doch noch mal die Neugierde bei den Herren die Oberhand und so versuchten auch einige der Alteingesessenen, JT65 auf ihrer schon in die Jahre gekommenen Funkanlage zum laufen zu bringen, allerdings mit sehr mäßigem Erfolg.

Die Inbetriebnahme scheiterte in den meisten Fällen schon an solchen Belanglosigkeiten wie der richtigen Konfiguration der Software oder der seriellen Schnittstelle am PC. Da machte sich dann manchmal schon echte Verzweiflung breit, aber um Hilfe hat so gut wie niemand von den älteren Herren gebeten, dass verbot schon der eigene Stolz und man wollte sich natürlich auch nicht blamieren.

Wenn dann noch Vorgaben aus Richtung Distrikt kommen, was denn in den Augen des Distriktsvorsitzenden richtiger Amateurfunk sei und was nicht, hatte man als Einsteiger der Klasse E ganz schlechte Karten mit der eigenen Akzeptanz im DARC e.V. Ortsverband.

Das Ergebnis der Versuche sah man dann im Wasserfall, völlig übersteuerte und verzerrte Signale sowie Frequenzdrift ohne Ende, weil der Transceiver aus 1985 die Frequenz einfach nicht stabil genug halten konnte. Der Zeit Versatz von mehreren Sekunden führte auch in vielen Fällen dazu, dass nie ein QSO zustande kam. Entnervt gaben viele auf, irgendwann waren sie ganz weg.

"Scheiß JT65, braucht kein Mensch!", war dann zu hören! Ein kurzer Ausflug in die spannende Welt der digitalen Betriebsarten.

Das extra Rufzeichen

"Für automatisch arbeitende Stationen (JT65) brauchst Du ein eigenes Rufzeichen von der Bundesnetzagentur!" wurde nicht nur ich zum Thema JT65 mehrfach auf 2m öffentlich belehrt.

Wirklich, braucht man das?

Einem alteingesessenen DARC e.V. Mitglied oder gar dem Ortsverbandsvorsitzenden (OVV) als Klasse E Inhaber öffentlich über Funk zu widersprechen grenzt ja schon an Majestätsbeleidigung und führte in einigen Fällen zu lebhaften und sehr unsachlichen Diskussionen auf den OV Abenden mit dem Hinweis, dass man sich doch den erfahrenen Funkamateuren gegenüber mit entsprechenden Respekt zu verhalten habe. Das gebiete schließlich der Anstand vor dem Alter!

Ob man hier auf Kosten anderer wieder nur sein Gesicht wahren wollte?

Eine automatisch arbeitende Amateurfunkstelle ist gem. § 2 Nr. 4 Begriffsbestimmungen Amateurfunkverordnung (AFuV) wie folgt definiert;

"... eine unbesetzt betriebene Amateurfunkstelle, die fernbedient oder selbsttätig Aussendungen erzeugt (Relaisfunkstellen, Digipeater, Funkbaken usw.);

Die automatisch arbeitende Amateurfunkstelle muss also unbesetzt sein und selbstständig Signale aussenden. Wenn ich also zu Hause vor meinem TRX sitze und FT8 praktiziere, dann ist das halt keine automatisch arbeitende Amateurfunkstelle, weil sie ja nicht unbesetzt ist und braucht deshalb auch kein eigenes Rufzeichen.

Kein richtiger Funkamateur

"Klasse E Funkamateure sind keine richtigen Funkamateure, dass ist nur eine Einstiegsklasse! Wann macht ihr denn endlich die Klasse A mit Morseprüfung?"

Ok, nehme ich mal so hin, sehe das aber auch wieder völlig anders. Alle Personen, die entweder ein Amateurfunkzeugnis oder eine harmonisierten Amateurfunk Prüfungsbescheinigung, egal welcher Klasse, besitzen, sind Funkamateure. Punkt!

§ 2 Begriffsbestimmungen (AFuG)

Im Sinne dieses Gesetzes ist;

1. Funkamateur der Inhaber eines Amateurfunkzeugnisses oder einer harmonisierten Amateurfunk Prüfungsbescheinigung auf Grund der Verfügung 9/1995 des Bundesministeriums für Post und Telekommunikation vom 11. Januar 1995 (Amtsblatt S. 21), der sich mit dem Amateurfunkdienst aus persönlicher Neigung und nicht aus gewerblich-wirtschaftlichem Interesse befaßt,

Was ist daran nicht zu verstehen? Das war in den vielen Jahren seit 2014 nicht der einzige rechtliche Lapsus, den ich mir von DARC e.V. Funktionsträgern anhören musste.

Der JT65 Krieg

"Das ist nicht die richtige Betriebsart auf dieser Frequenz!"

Ziemlich genau 2 Jahre dauerte der öffentliche Streit über die 80m JT65 Frequenz (Dialfrequenz), die Joe Taylor (K1JT) nach seinen Vorstellungen in einen Bereich gelegt hatte, der auch für CW (Morsen) vorgesehen war. Die Szenen, die sich auf 80m manchmal abspielten, kann man nicht in Worte fassen.

Allen voran einige schon fast militant agierende DARC e.V. Mitglieder, die mit allen Mitteln auf die Einhaltung des DARC e.V. Bandplans pochten und mit vorsätzlichen Störungen (CW) versuchten, die JT65 Aussendungen stundenlang zu behindern, was natürlich nicht funktionierte.

Alle Kontaktversuche mit dem OM aus Seevetal und dem dortigen Ortsverband, dem er angehörte, schlugen fehl. "Man könne da nichts machen", war die lapidare Antwort.

Können oder wollen?

Nach "nur" 2 Jahren der internen Überlegungen gab es dann seitens des DARC e.V. endlich ein Einsehen, der DARC e.V. Bandplan wurde entsprechend abgeändert und die vorsätzlichen Störungen hörten schlagartig über Nacht auf.

Der DARC e.V. Bandplan interessiert mich heute als Nichtmitglied nicht mehr, lediglich die Bandpläne der IARU sind für Nichtmitglieder wichtig.

Nur noch "Steckdosenamateure"

"Der heutige Amateurfunk bringt nur noch Steckdosenameture hervor!"

Auch ein beliebtes und weit verbreitetes Stigma der ewig Gestrigen, neue Funkamateure würden nur noch Geräte kaufen und so gut wie nichts mehr selbst bauen.

Das ist absolut nicht richtig, der Selbstbau hat sich nur verändert und besteht heute nicht mehr aus dem "Ausschlachten" alter Geräte um mit den Bauteilen etwas neues zu bauen, sondern viel mehr aus Programmierung, SDR, LORA, Codeplugs, DMR, Modulen und Bausätzen. Auch das ist Selbstbau, auch wenn er sich nicht mehr so darstellt, wie 1950.

Den neuen Funkamateuren mit solchen Sprüchen die Kompetenz zum Selbstbau abzusprechen, halte ich einfach nur für dreist. Niemand wurde als Experte geboren, auch den neuen Funkamateuren sollte man Zeit zur Entwicklung geben, sie dabei unterstützen und nicht blamieren wenn sie etwas noch nicht können.

Die Prüfung

"Die Prüfung früher bei der Oberpostdirektion war viel schwieriger, heute muss man nur noch ankreuzen!"

Auch hierüber gab es im DARC e.V. Ortsverband Diskussionen ohne Ende. Was hatte man sich früher in der Ausbildung quälen müssen, im Hermann-Schafft Haus in Kassel, monatelang und morsen musste man auch lernen. Was haben es die Funkamateure von heute doch einfach, die brauchen nur noch Kreuzchen machen.

Da empfehle ich den Herren doch mal eine Prüfungssimulation bei 12db.de um in Erfahrung zu bringen, ob die Prüfung denn heute wirklich so einfach ist. Das Ergebnis der Prüfungssimulation dann bitte an mich senden, damit ich es hier veröffentlichen kann, bitte mit Rufzeichen!

Aber nicht schummeln ...

Die DARC e.V. Mitgliedschaft

"Ohne DARC e.V. Mitglied zu sein, bist Du kein richtiger Funkamateur!"

Da muss ich wohl nichts mehr zu schreiben, dazu ist schon alles geschrieben!

Richtiger Amateurfunk

Zurück zur Aussage. Was ist denn überhaupt "richtiger Amateurfunk"?

Wenn es nach den Definitionen der DARC e.V. Hardliner ginge, dann ist nur das richtiger Amateurfunk, was sie gut und richtig finden und vielleicht selbst mögen und vor allem, können.

Das ist leider auch heute noch so, allerdings auch mit leicht abnehmender Tendenz. Auch wieder so ein Unsinn, der über Jahre hartnäckig von den DARC e.V. Hardlinern verbreitet wurde und auch heute immer noch seine Anhänger findet.

Dazu einfach Abends ab 18:00 Uhr UTC auf den üblichen 80m Runden (> 3600 kHz, LSB) mal reinhören. Unglaublich, was da für Meinungen vertreten werden und was da so "besprochen" wird!

Was Amateurfunk wirklich ist, ist tatsächlich definiert, im § 2 Nr. 2 AFuG (Amateurfunkgesetz);

2. Amateurfunkdienst ein Funkdienst, der von Funkamateuren untereinander, zu experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung, zur Völkerverständigung und zur Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen wahrgenommen wird; der Amateurfunkdienst schließt die Benutzung von Weltraumfunkstellen ein. Der Amateurfunkdienst und der Amateurfunkdienst über Satelliten sind keine Sicherheitsfunkdienste,

Also ist jegliche Technik und Aktivität, die dazu dient am Amateurfunkdienst teilzunehmen, auch "richtiger Amateurfunk".

Was sollte es sonst sein?


Picture KI generated - Das ist richtiger Amateurfunk ...

Nur über einem von einem Klasse A Funkamateur (mit Morseprüfung) selbst gebauten Funkgerät mit Röhren schwebt der echte Ham Spirit!

Mein persönliches Fazit

Der Versuch vieler DARCler, von den eigenen Defiziten abzulenken, den eigenen Status als Funktionsträger irgendwie zu retten und durch solche Behauptungen junge Menschen und Einsteiger davon abzuhalten, neue Techniken und Betriebsarten auszuprobieren, ist kläglich gescheitert und hat der Reputation des DARC e.V. ganz sicher langfristig und massiv geschadet und das auch insbesondere deshalb, weil der DARC e.V. und seine Protagonisten bis heute ernsthaft glauben, es müsse im Amateurfunk immer alles nach den Vorstellungen des DARC e.V. ablaufen.

Genau das muss es ausdrücklich nicht und da ist mittlerweile eine kleine aber feine Trendwende zu erkennen! Es geht auch ausdrücklich ohne den permanenten Einfluss des DARC e.V.!

Nur so kann sich Amateurfunk auch weiterentwickeln. Mittlerweile haben diese "guten Ratschläge", insbesondere auf den Bändern, etwas abgenommen. Das liegt zum einen an der Tatsache, dass die älteren Funkamateure immer weniger werden (sk), sie quantitativ und qualitativ immer mehr an Einfluss verlieren und sich deshalb endlich auch andere Meinungen abseits des "DARC e.V. Gleichsprechs" etablieren und durchsetzen können.

Eine wirklich sehr erfreuliche Entwicklung, die ich sehr begrüße und die hoffentlich dazu führt, dass sich der Umgangston auf den Bändern bessert und der Amateurfunkdienst insgesamt davon profitieren kann.

vy 73 de Jürgen
DL6WAB

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