Sind wir Deutschen wirklich "Vereinsmeier"?

Im nachfolgenden Artikel nehme ich mein Recht auf freie
Meinungsäußerung gem. Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG)
sowie das Zitatrecht gem. § 51 Urheberrechtsgesetz (UhRG) wahr.
Was ist eine Meinung? Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema.
Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken
anregen und das soll sie auch!
Hin und wieder muss ich mich schon fragen, ob Amateurfunk
ohne
Mitgliedschaft im DARC e.V. überhaupt Sinn macht?
Um es gleich vorweg zu nehmen. Meine Kritik am DARC e.V. richtet sich in
erster Linie gegen den DARC e.V. als Organisation
und seine fehlende
basisdemokratische Struktur und nicht gegen einzelne Personen,
Vereine oder Vereinsmitglieder generell. Ich freue mich über jeden Funkfreund
den man hört und jedes Gespräch es sei denn, es dreht sich inhaltlich um den DARC
e.V. oder einen anderen Verband und das Thema Vereinspolitik.
An Hierarchien, Funktionsträgern, Regelwerken, Gruppenzwang,
Sitzungen, Gleichsprech und Gängeleien im Hobby Amateurfunk durch
ein DARC e.V. Mitglied oder einen DARC e.V. Funktionsträger, insbesondere über
Funk, habe ich nicht das geringste Interesse.
Ich bin Funkamateur und kein "Vereinsmeier"!
Früher ...
Mein Funkgerät (FT991A) läuft oft, insbesondere auf 2 Meter und 70
Zentimeter scannt der Scanner ca. 20 Frequenzen von umliegenden
Relais und bekannten Lokalfrequenzen. Die üblichen Grüppchen, die
sich über Jahrzehnte gebildet hatten, sind hin und wieder zu hören,
allerdings auch mit abnehmender Tendenz.
Immer weniger Ältere sind da noch unterwegs, die sich über ihren Gesundheitszustand austauschen und
feststellen, dass früher doch irgendwie alles besser war. Man
versucht dem technischen Fortschritt zu folgen, hat so seine
Probleme mit der Software, dem Betriebssystem und der Hardware.
Leider findet sich von den Jüngeren niemand, der mal hilft, früher hätte es das nicht
gegeben, so der Tenor, der oft zu hören ist.
Ob man da nicht zum Teil
selbst dran Schuld ist liebe OM?
Vereinsfunker
Und dann gibt es noch die
"Vereinsfunker", die ohne die ständige
Erwähnung von Vereinsthemen und -politik so gut wie kaum noch ein
interessantes Gespräch
hinbekommen. Sie leben irgendwie in ihrer eigenen Welt, die massiv
vom Vereinsleben aus der Vergangenheit geprägt ist, so meine
Wahrnehmung. Der DARC e.V. Ortsverband und der
Ortsverbandsvorsitzende samt Vorstand sowie der Distriktsvorsitzende
scheinen bei diesen Funkfreunden zum Lebensmittelpunkt mutiert zu sein.
Es ist schon erstaunlich, wie sich einige Funkfreunde winden, wenn
das Thema "DARC e.V. ja oder nein" andiskutiert wird.
Nicht nur
bei den Nichtmitgliedern stellt sich sofort ein bemerkbares
"Unbehagen" ein, will man sich doch keinesfalls zu dieser Frage
öffentlich positionieren und es sich mit den DARC e.V. Mitgliedern
evtl. verscherzen.
In einer solchen Gemengelage entsteht schnell ein
sozialer Druck, der insbsondere von den DARC e.V. Hardlinern sehr
subtil ausgeübt wird.
Ich finde, die DARC-Frage sollte weder als Loyalitätstest noch als
Lagerkampf herhalten müssen. Dennoch muss man seine Strukturen,
Entscheidungen und den persönlichen Nutzen einer Mitgliedschaft
kritisch prüfen dürfen ohne durch die Vereinsfunker pauschal verurteilt und ausgegrenzt zu
werden. Umgekehrt sollte auch die Entscheidung gegen eine
Mitgliedschaft nicht automatisch als Ablehnung des Amateurfunks oder
gar als mangelnde Solidarität interpretiert werden.
Wenn der DARC e.V. nur noch über den Weg des sozialen Drucks
Mitglieder gewinnen kann, dann hat er ein ganz anders Problem!
Geschichtliches
Der Begriff „Vereinsmeier“ wird typischerweise dann passend
verwendet, wenn es vor allem um
- übertriebene Formalität,
- Machtstreben im Verein,
- Selbstzweck der Mitgliedschaft und
- Intoleranz gegenüber Andersdenkenden
im Verein geht, weniger um das
eigentliche Vereinsziel, den Amateurfunk.
Alles Merkmale, die man beim DARC e.V. und seinen Funktionsträgern häufig beobachten kann.
Deutsche sind nicht von Natur aus „Vereinsmeier“, dass ist
zunächst
ein kulturelles Klischee. Diese Aussage hat aber einen historischen
Hintergrund. Vereine boten seit dem 19. Jahrhundert eine
organisierte Form von Gemeinschaft, Selbsthilfe und
gesellschaftlicher Mitbestimmung.
Der Begriff „Vereinsmeier“ ist meist abwertend gemeint, nicht
einfach jemand, der sich engagiert, sondern jemand, der sich
in
Vereinsregeln, Ämtern, Rangordnungen und Kleinigkeiten verliert. Der
Ausdruck bezeichnet laut Gesellschaft für deutsche Sprache eine
Person, die dem Vereinsleben übertriebene Bedeutung beimisst, belegt
ist der "Vereinsmeier" spätestens seit etwa 1870.
Deutschland hat zwar sehr viele Vereine und eine ausgeprägte
Vereinskultur, liegt bei der Vereinsdichte im europäischen Vergleich
aber laut Deutscher Welle lediglich im Mittelfeld. Zudem
sinkt die
Bindung zu Vereinen permanent! Das Bild „jeder Deutsche ist
mindestens in zwei Vereinen“
gilt zunehmend nicht mehr, besonders in Großstädten und insbesondere
bei jüngeren
Menschen.
Und deshalb gelten
Deutsche immer noch als "Vereinsmeier", weil Vereine hier
historisch
wichtige Orte für Gemeinschaft, Freizeit, Ehrenamt und demokratische
Selbstorganisation gelten, auch wenn sie ihre Daseinsberechtigung in
vielen Fällen schon verloren haben.

Picture KI generated - Typisch deutsche Vereinsmeierei bei Schnitzel
und Bier, in Amateurfunkkreisen auch Schnitzelabend genannt!
Vereinsmeierei
Menschen, die in zentralen Lebensbereichen (z.B. Beruf, Familie) wenig
Anerkennung oder Erfolge erfahren, suchen sich manchmal eine Ersatzbühne, den
Verein.
Er bietet dafür Struktur, Rollen und sichtbare Erfolge.
Der
Begriff „Vereinsmeierei“ bezeichnet eine eher abwertend gemeinte Haltung,
bei der die Mitgliedschaft und Mitarbeit in Vereinen übertrieben
wichtig genommen wird, oft mit starkem Fokus auf Regeln, Hierarchien,
Titeln und Ritualen.
Psychologisch wird dahinter häufig das Bedürfnis nach sozialer
Anerkennung und nach einer klaren Rangposition in einer Gruppe
gesehen.
Beim DARC e.V. ist das meiner Meinung nach besonders intensiv
ausgeprägt.
Manche Menschen brauchen das, zum Glück sind aber nicht
alle Vereinsfunker so.
Schule der Demokratie
Vereine können für die Demokratie heute weiterhin wichtig sein, weil
sie Menschen im Alltag zusammenbringen, Selbstorganisation einüben
und Interessen gegenüber Politik und Verwaltung bündeln. Sie sind
damit eine Art „Schule der Demokratie“.
Vereine sind nicht automatisch demokratisch, sie können auch;
- Menschen ausschließen (z.B. Einsteiger) oder hohe Zugangshürden
(z.B. durch eingeschworene Seilschaften) haben,
- von wenigen Funktionären (z.B.
DARC e.V. Zentralkomitee
) dominiert werden oder
- Eigeninteressen entwickeln (z.B. durch zunehmende Distanz zur Basis).
Außerdem ist die Beteiligung oft sozial ungleich verteilt, Menschen mit
mehr Zeit (z.B. Rentner), Geld, Bildung oder sozialen Netzwerken
engagieren sich oft leichter. Der
Sozialbericht 2024
warnt deshalb
davor, dass klassische Vereinsmitgliedschaften zurückgehen und
vereinspolitische
Teilhabe stark sozial geschichtet ist.
Demokratische Beteiligung findet nicht mehr nur in klassischen Vereinen statt. Bürgerinitiativen, lose lokale Gruppen
und digitale Netzwerke
spielen immer mehr eine große Rolle. Vereine können aber dann besonders wertvoll
bleiben, wenn sie dauerhaft ansprechbar sind, echte demokratische
Strukturen besitzen und konkrete Aufgaben vor Ort übernehmen. Das
ist aber nicht immer der Fall.
Entscheidend ist also nicht, dass ein Verein existiert,
sondern
wie er organisiert ist. Transparente Wahlen, offene Mitgliedschaft,
faire und direkte Beteiligung, Schutz vor Diskriminierung und die
Bereitschaft, Streit demokratisch auszutragen, müssen auch realisiert
sein.
Dann wird aus Vereinsleben tatsächlich demokratische Praxis, so wie
sie beim DARC e.V.
nicht
existiert!
Der neue Status quo
Sie sind in der letzten Zeit erfreulicherweise öfters zu hören, die neuen Funkamateure
der Klasse N und E, wobei ich eine Einteilung in Klassen nicht
besonders hilfreich finde.
Mir wäre eine Bezeichnung wie "Ausbildungslevel N, E
oder A" lieber.
Da wird ausprobiert, experimentiert und engagiert diskutiert, die Inhalte der Gespräche
drehen sich wieder um Antennen, Software und Geräte und nicht um
Vereinspolitik oder -zugehörigkeit. Bei den meisten Neuen habe ich den Eindruck, dass
Vereinszugehörigkeit auch nicht als besonders wichtig wahrgenommen
wird, vielmehr ist es das Hobby selbst mit seinen Inhalten und den
Menschen, die daran teilnehmen.
An solchen Gesprächen nehme ich gern
wieder teil und helfe wo ich kann, wobei es mir wirklich
egal ist, ob jemand einem Verein oder Verband angehört oder nicht.
Ob denn jetzt die schon lange überfällige Trendwende auf den Bändern
zu erkennen ist?
Ich denke schon und würde es mir im Sinne eines modernen und
interessanten Amateurfunks sehr wünschen, dass alte Denkweisen und
ein erheblicher Teil der lange gelebten Tradition im Amateurfunk
über Bord gehen und damit endlich Platz für Neues schaffen!
vy 73 de Jürgen
DL6WAB
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