Warum der DARC e.V. nie "mein Verein" wurde!

Im nachfolgenden Artikel nehme ich mein Recht auf freie
Meinungsäußerung gem. Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG)
sowie das Zitatrecht gem. § 51 Urheberrechtsgesetz (UhRG) wahr.
Was ist eine Meinung? Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema.
Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken
anregen und das soll sie auch!
Die Story ...
Diese Geschichte ist real, sie spiegelt
meine persönlichen Erfahrungen wider, die viele
Funkamateure bestimmt nachvollziehen können.
Sie ist meine Einladung zum
Nachdenken.
Wie alles begann ...
Alles begann 2013, als ich zum ersten Mal wieder ein
Funkgerät in der Hand hielt. Die Faszination war sofort
wieder da, die unsichtbaren Wellen, die Kontinente überbrücken,
diese Gemeinschaft von Menschen, die über Technik und Leidenschaft
verbunden sind. Ich dachte, ein Verein wie der DARC e.V. wäre der
"hilfreiche Hafen" für mich, groß, etabliert, mit Ortsverbänden,
QSL-Kartenvermittlung, Technikwissen und allem, was zum Amateurfunk dazugehört.
Und mit diesen Erwartungen trat ich doch ziemlich blauäugig Ende 2013 dem DARC e.V. bei.
Wie ich mir Amateurfunk vorstelle ...
Was bedeutet Amateurfunk für mich und wo finde ich die
Gemeinschaft, die zu mir passt?
Amateurfunk ist für mich Experimentieren, Austausch, Freiheit,
Neugier und vor allem, Selbst- und nicht Fremdbestimmung. Ein Verein
soll Gleichgesinnte vereinen, der formale Verein bildet dabei nur
den Rahmen, darf aber nicht zum eigentlichen Inhalt des Hobbys
werden, der beliebten "Vereinsmeierei", die besonders bei den
älteren Vereinsmitgliedern oft hoch im Kurs steht!
Es geht um das Experimentieren, das
Verstehen, das Teilen, nicht um das Sammeln von QSOs wie
Briefmarken. Im DARC e.V. hingegen schien vieles auf Leistung,
Repräsentation und Tradition ausgerichtet zu sein. Diplome wurden
wichtiger als das Verständnis der Technik hinter dem Funkverkehr.
Conteste,
OV Runden, Veranstaltungen und OV Abende fühlten sich oft an wie
Pflichttermine, nicht wie echter Spaß am Hobby!
Mir kommen schon damals sehr früh erste Zweifel ...
Der DARC e.V. ...
Bei den folgenden OV-Abenden spürte ich, hier stimmt was nicht. Die Gespräche drehten sich
immer weniger um Experimente, weniger
um das „Warum“ und das „Wie“ der Technik, sondern mehr um
Vereinspolitik, Vereinsmeisterschaften, Diplome, Ranglisten, die richtige Antenne für
den nächsten Vereinscontest und natürlich, Schnitzel.
Es fühlte sich an, als wäre der Amateurfunk
nicht mehr das Abenteuer, das ich suchte, sondern ein interner Wettkampf
von DARC e.V. Mitgliedern mit
unsichtbaren Regeln und einer fast militärischen Hierarchie. Zu
meiner großen Verwunderung trat damals auch noch der
amtierende Ortsverbandsvorsitzende (OVV) als die alles
bestimmende Instanz auf den Plan.
Er verkörperte das Gesetz im OV, dass fängt ja gut an!
Ich suchte keinen Verein der mir sagt, was ich im Hobby zu tun
und zu lassen habe. Ich
suchte eine Begegnungsstätte Gleichgesinnter, in der ich lernen, fragen, scheitern und neu
anfangen kann. Einen Ort, an dem ein selbstgebautes QRP
Gerät genauso viel Respekt verdient, wie eine große und teure
KW-Station.
Das war aus heutiger Sicht leider eine völlig falsche Erwartungshaltung!
Die Willkommenskultur ...
All das Gesuchte habe ich in insgesamt 4 Ortsverbänden in den 10
Jahren meiner DARC e.V. Mitgliedschaft nicht ansatzweise gefunden, sondern überwiegend eine
schwierige und abweisende Willkommenskultur
eingefahrener und langjährig bestehender Seilschaften, die geprägt war von
reaktiven DARC e.V. Funktionsträgern und dem umfangreichen Einfluss des DARC e.V.
"Seit wann kommt denn der Knochen zum Hund?", habe ich mehr als
einmal gehört! Das war der übliche Tenor im OV, "Wer was von uns
will, der muss sich auch Mühe geben!"
Die Entscheidungswege dort fühlten sich schwerfällig
an, Innovationen schienen oft langsamer zu sein, als im privaten
Umfeld. Die Kommunikation wirkte manchmal wie ein
"Einbahnstraßen-Rundspruch" von oben, nicht wie ein Dialog. Die
einzige echte
und direkte Mitwirkung im Verein beschränkte sich hauptsächlich auf die formelle
Vereinsarbeit im DARC e.V. Ortsverband (OV), mehr nicht. Ich hatte
auch immer den Eindruck, dass die aktive Mitwirkung der Mitglieder
an internen Vereinsthemen auch gar nicht gewünscht war.
Je länger ich Mitglied war, desto deutlicher wurde mir, der DARC ist
nichts anderes als ein riesiger und aufgeblähter Verwaltungsapparat, mit ungefähr 30.000 Mitgliedern, ein
Bundesverband mit Vorstand, Distrikten, Ortsverbänden, Vorsitzenden,
Satzung, Geschäftsordnung, Vorschriften, Bandplänen, Amateurräten,
Kassenwarten und -prüfern, Referaten, QSL Managern, Ausschüssen und
Gremien. Für viele ältere Funkamateure ist das vielleicht noch ein "Eldorado"
aus langjähriger Tradition und längst vergangenen Tagen, für
mich als Neuling wurde dieses Konstrukt zunehmend zur Belastung im Hobby und führte Stück für
Stück zu immer mehr Distanz zum DARC e.V.
Die wenigen neuen Gesichter die vereinzelt mal kamen, waren in
fast allen Fällen einmal zum OV-Abend anwesend, dann nie wieder!
Das Wir-Gefühl und der Gruppenzwang ...
Vereine sollten gemeinhin als Orte der Gemeinschaft, des Engagements
und der Selbstverwirklichung gelten. Doch hinter der Fassade des
ständig propagierten "Wir-Gefühls" beim DARC e.V. verbirgt sich auch
noch eine relativ unbekannte Seite,
der damit verbundene und zunächst unsichtbare Gruppenzwang.
Dieser Mechanismus, dem man sich beim DARC e.V. nur schwer entziehen
kann, zwingt die Mitglieder sehr subtil aber permanent zur "Vereinskonformität" und
unterdrückt dadurch zwangsläufig individuelle Bedürfnisse.
Die
vereinsgesteuerte und steife Gemeinschaft
im Ortsverband
war zwar da, aber sie war unehrlich, in sich gekehrt, in sich geschlossen, wenig
zugänglich und wenig offen für neue
Ideen und vor allem, sie war konservativ und sie war oft auch noch reaktiv.
Wenn aus dem Wir-Gefühl ein Gruppenzwang wird, dann ist der Punkt erreicht, an
dem das Zugehörigkeitsgefühl in einen negativen Druck umschlägt.
Wir-Gefühl kann man nicht anordnen, es muss sich bilden!
Den Zenit solcher Beeinflussung erlebte ich z.B., als ein
Vereinsmitglied auf Nachfrage durch einen DARC e.V. Funktionsträger
öffentlich über Funk im vorwurfsvollen Ton "genötigt" wurde, warum
er denn an einer Vereinsveranstaltung nicht teilgenommen habe und
sich noch nicht einmal abgemeldet hätte. Die schon peinliche und
hörbar unangenehme Rechtfertigung des Gefragten dazu dauerte mehrere
Minuten! So etwas fragt man nicht öffentlich über Funk, sondern,
wenn überhaupt, unter vier Augen es sei denn, man will Druck
ausüben!
Noch nie habe ich einen dermaßen aggressiven und schon fast sektenhaft
praktizierten
Gruppenzwang in einem Verein erlebt, wie beim DARC e.V.!
Die fehlende Basisdemokratie ...
Basisdemokratie beim DARC e.V.? Fehlanzeige! Den Mitgliedern stehen
nur sehr wenige Möglichkeiten zur Verfügung, sich direkt an der
Vereinspolitik zu beteiligen und sich einzubringen. Es gibt Wege, die Hürden sind aber so
hoch, dass sich vermutlich nur sehr wenige Mitglieder dazu
entscheiden, diesen steinigen Weg zu gehen. Und so ist echte
und direkte Mitwirkung am Clubleben durch die Mitglieder eher die Ausnahme als die Regel.
Die Regeln machen andere beim DARC e.V.!
Dazu kommt, wer fragt, ist „unloyal“, wer zweifelt, „blockiert“ und wer
aufklärt, der „schadet dem Verein“ und wer dem Verein schadet, der kann
gem. § 7 Abs. 4 der DARC e.V. Satzung relativ einfach aus dem
DARC e.V. ausgeschlossen
werden! Dem Ausschluss aus dem DARC e.V. hat man in der Satzung
gleich mehrere Unterpunkte (§ 7 Abs. 4 Lit. a-d DARC e.V. Satzung)
gewidmet, auch
Ausschlussverfahren
genannt.
Wäre man doch mal bei der direkten und
demokratischen Beteiligung der Mitglieder so gründlich gewesen!
Die innere Kündigung ...
Ich erinnere mich an einen OV Abend Anfang 2024, bei der wir im OV über die
Außendarstellung des OV diskutiert hatten. Meine schriftlich
eingereichten Ideen, hinsichtlich
neuer Vorgehensweisen, wurden mit dem Hinweis auf „bestehende
und bewährte
Strukturen“ abgetan. Für mich war das ein Signal, hier geht es nicht
um die Zukunft des Amateurfunks, sondern um die Bewahrung des
Gewohnten und der schon fast "religiös" ausgeübten Unterwerfung vor der Vereinstradition
und ihrer
überwiegend älteren Funktionsträger.
Endgültiger Auslöser für meine
zunächst immer mehr reifende innere Kündigung war ein
prägendes
und bezeichnendes Ereignis mit dem Distriktsvorsitzenden (DV) und dem OV Vorstand
auf einem weiteren OV Abend im Februar 2024 und führte bei mir endgültig zu der Erkenntnis, der DARC
e.V. war nie mein Verein und er wird es in seiner jetzigen Form ganz
sicher auch nicht mehr werden.
Picture KI generated - Bye bye DARC e.V. ...
Die Erkenntnis ...
Ich habe nichts gegen den DARC e.V. und seine
Mitglieder, im Gegenteil, ich respektiere die Menschen und die Arbeit, die dort geleistet wird, z.B.
als Interessenvertretung oder im Bereich
Ausbildung.
Aber ich habe erkannt, dass ist nicht mein Weg, dass ist nicht mein
Verein und er wird es auch nicht mehr, jedenfalls nicht
in seiner jetzigen Form und mit den jetzigen Akteuren! Dazu ist er mir viel zu
konservativ, reaktiv,
hierarchisch, bestimmend und im Hobby insgesamt mehr einschränkend als nützlich.
Der DARC e.V. ist aus meiner Sicht heute und in der Fläche überwiegend ein
Traditionsverein, mehrheitlich für alte Männer, die sich schon seit
Jahrzehnten kennen, die sich alle 4 Wochen zum OV Abend treffen und
gern in der Vergangenheit und den guten alten Zeiten schwelgen. Ich will das gar nicht
kritisieren, dass steht mir nicht zu, es ist aber einfach nicht das,
was ich mir unter modernem Amateurfunk vorstelle.
Schade, dass
sich der DARC e.V. ausgerechnet hier in Nordhessen
nicht weiterentwickelt
hat, sonst
wäre ich vielleicht dabeigeblieben!
Die logische Konsequenz ...
Es ist ein Sonntagmorgen im März 2024, der Kaffee dampft, ich lese
im
neuen und interessanten
Funkamateur
, im Hintergrund läuft FT8
und auf 2 m läuft die "sonntägliche
Vereinspredigt" in FM,
geleitet und moderiert durch den "OV-Prediger", mit
der immer gleichen, langweiligen und perfekt einstudiert wirkenden "OV Liturgie".
Auf dem Tisch liegt sie vor mir, die schriftliche Kündigung meiner
DARC e.V. Mitgliedschaft. Keine Wut, keine Dramatik, nur eine ruhige
und überlegte Erkenntnis, die schon lange in mir gereift ist.
Sie war eine
ehrliche, konsequente und richtige Entscheidung. Nach einem Jahr
ohne DARC e.V. wird
mir das immer mehr bewusst ...
Die Alternativen ...
Es gibt andere Vereine,
andere Gruppen
,
andere Netzwerke
, manche
klein, manche informell, manche nur digital. Orte, an denen der
Amateurfunk so lebt, wie ich ihn mag, kreativ, offen, neugierig
und insbesondere selbstbestimmt und frei von jeglichem Gruppenzwang.
Und manchmal bilden sich fantastische Interessengruppen auch ganz
von allein ...
Mein persönlicher Ausblick ...
Ich bin immer noch gern Funkamateur, ich bastele, experimentiere,
funke, nur eben ohne DARC e.V. Mitglied zu sein und ich bin damit nicht allein. Es gibt
sehr viele Funkamateure, die ähnlich denken, Menschen, die den Amateurfunk lieben,
aber den DARC e.V. nicht oder nicht mehr als "ihren Verein"
ansehen.
Vielleicht ist das auch eine Stärke unserer Gemeinschaft, dass sie
so vielfältig ist, dass es nicht nur den einen Weg gibt. Der DARC e.V.
ist insbesondere
für viele
ältere Funkamateure noch eine wichtige Institution bei der Ausübung des
Hobbys, für mich wurde er das nie und das
ist in Ordnung.
Am Ende zählt
nicht der Verein dem man
angehört, sondern die Leidenschaft für den Amateurfunk die man lebt und die Wellen, die
wir in die Welt senden ganz gleich, ob mit oder ohne
Mitgliedsnummer.
vy 73 de Jürgen
DL6WAB
www.amateurfunkpraxis.de
- Blogarchiv
