Was neue Funkamateure vom DARC e.V. erwarten können

Im nachfolgenden Artikel nehme ich mein Recht auf freie Meinungsäußerung gem. Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG) sowie das Zitatrecht gem. § 51 Urheberrechtsgesetz (UhRG) wahr.

Was ist eine Meinung? Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen und das soll sie auch!


Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Was bekommst du als Gegenleistung für deinen Mitgliedsbeitrag von 114.- € ab dem Jahr 2027 vom DARC e.V. geboten?

Die einzelnen Leistungen des DARC e.V. kannst du nicht wählen, als Mitglied bist du verpflichtet, das volle Programm zu kaufen, auch wenn du es gar nicht benötigst. Modulare Leistungen gibt es nicht, der DARC e.V. kennt nur, alles oder nichts!

Die Leistungen im Einzelnen

1. Eine Mitgliedschaft in einem Verein, der seinen Mitgliedern noch nicht einmal das uneingeschränkte und direkte Recht einräumt, aktiv an der Vereinspolitik mitzuwirken.

Das Ganze von einem Verein der zwar behauptet demokratisch zu sein, in Wirklichkeit aber sehr hierarchisch aufgebaut ist und nur über mehrere Ebenen (Ortsverband, Distrikt, Amateurrat, Vorstand) und Delegierte funktioniert. Seine Schwäche liegt in der indirekten, amtszentrierten Repräsentation und in einer föderalen Struktur, die lokale Mitwirkung rechtlich und finanziell stark an den Bundesvorstand bindet.

Wer demokratische Teilhabe wirklich ernst meint, muss vor allem die Stellung der Vereinsmitglieder gegenüber OV-, Distrikts- und Bundesebene stärken.

2. Die Mitwirkung in Ortsverbänden (OV), die keine eigenständigen Vereine sind, sondern nur formell und finanziell unselbstständige Untergliederungen des übergeordneten DARC e.V. Viele DARC e.V. Ortsverbände sind zudem schwach besetzt, überaltert und deshalb wenig attraktiv.

Die immer weniger werdenden Ortsverbände (bundesweit noch ~ 960) bekommen zudem nur 12 Prozent der Mitgliedsbeiträge als OV-Zuwendung, während 88 Prozent außerhalb der OVe zentral vom Verein ausgegeben werden. Zentralleistungen wie QSL-Vermittlung, Versicherung, Zeitschrift und Interessenvertretung kosten viel Geld, die Mitglieder sollten aber transparent nachvollziehen können, welcher Anteil ihres Beitrags in lokale Arbeit, zentrale Services, Verwaltung und Reserven fließt.

3. Eine unmoderne und sehr vereinslastige Vereinszeitschrift (CQDL), die redaktionell ziemlich überfordert ist. Sie liefert zwar Breite und Service, leidet jedoch unter ungleicher Fachlichkeit, schwacher redaktioneller Selektion, verbandspolitischer Nähe und einer oft nur beschreibenden statt analytischen Berichterstattung.

Als unabhängiges Fachmagazin würde sie die Erwartungen an Recherche, Kritik und redaktionelle Kontrolle nicht im Ansatz erfüllen. Für digital orientierte Mitglieder und junge Menschen ist ein monatliches Printprodukt weniger zeitgemäß. Die DARC e.V. App liefert zwar die Inhalte der CQDL, ist aber keine grundlegend neue Wissens- oder Community-Plattform.

4. Eine antiquierte QSL-Kartenvermittlung, dessen hohe Kosten und Reibungsverluste durch Ehrenamt, Postwege und manuelle Sortierung entstehen. Wer schnelle und zuverlässige QSO-Bestätigungen (QSL) braucht, sollte keine QSL-Karten aus Papier sammeln, sondern entweder LoTW, eQSL, qrz.com, HRDLOG oder einen anderen Online Anbieter nutzen.

Die IARU-Resolution 18-1 („Methods of confirming (QSLing) radio contacts (QSOs)“) wurde bereits im September 2018 vom IARU Administrative Council in Seoul beschlossen und trat zum 1. Januar 2019 in Kraft. Sie ersetzt die frühere QSL-Büro-Politik und empfiehlt den Mitgliedsverbänden (... auch dem DARC e.V. ...), QSL-Büros nur weiterzuführen, solange dies wirtschaftlich vertretbar ist und Funkamateure zu elektronischen Bestätigungsverfahren zu ermutigen.

Aus Eigeninteressen der vielen älteren DARC e.V. Mitglieder, die aus der Tradition heraus immer noch gerne QSL Karten aus Papier sammeln, hat der DARC e.V. die Resolution bis heute nur sehr zögerlich und nur teilweise umgesetzt.

5. Ein vermeintlich notwendiger Versicherungsschutz (Haftpflichtversicherung, Unfallversicherung, optionale Elektronikversicherung), der in vielen Fällen doppelt vorhanden sein wird und deshalb im Schadensfall oft nicht leistet . Die DARC-Versicherungsangebote sind als Basisabsicherung für den Amateurfunkbetrieb und ausschließlich im Vereinsleben gedacht, weil die Mitglieder-Haftpflicht- und eine Unfallversicherung im Beitrag enthalten ist.

Kritisch zu sehen sind vor allem die eingeschränkten Anwendungsfälle, die Abhängigkeit von rechtzeitiger Beitragszahlung, Lücken bei Nichtmitgliedern/Helfern und die begrenzte Transparenz der Vertragsdetails.

6. Eine Interessenvertretung, deren Erfolge nur schwer messbar sind. Mitglieder können die Arbeit und die Ergebnisse oft erst bei konkreten regulatorischen Konflikten nachvollziehen.

Der DARC behauptet zwar, er spreche formal für „alle Funkamateure“, vertritt aber faktisch vor allem die Interessen seiner überwiegend älteren Mitglieder und deren organisatorisch sichtbare Interessen. Das erzeugt ein Repräsentationsproblem.

Besonders kritisch ist die demografische und kulturelle Schieflage der Interessenvertretung. Die Verbandsstrukturen durch Distrikte, Ortsverbände, Ausschüsse und langjährige Ehrenamtliche, begünstigen erfahrene, gut vernetzte und häufig traditionell orientierte Mitglieder.

Die  Interessen moderner Nutzergruppen, etwa bei digitalen Betriebsarten, im portablen SDR-Betrieb, Satellitenfunk, digitale Netze (Mesh), Maker-Szene oder dem niedrigschwelligen Einstieg, geraten dadurch leicht gegenüber klassischen Themen wie DX, CW, Contest und Kurzwellenbetrieb in den Hintergrund.

Der DARC ist deshalb als Interessenvertretung für alle Funkamateure nicht automatisch hinreichend repräsentativ und arbeitet traditionell sowie passiv.

7. Eine Ausbildungsplattform (www.50ohm.de )) die leider viel zu spät kam und schon deutlich bessere und auch kostenlose Konkurenz bekommen hat (z.B. www.12db.de ).

Die Plattform 50Ohm ist neutral nutzbar, aber ganz offensichtlich auch ein "Mitgliedergewinnungsinstrument" des DARC e.V. Das ist legitim, sollte den Nutzern aber immer bewusst sein. Schon hier wird "Vereinsdruck" auf neue Funkamateure ausgeübt.

Der Lernfortschritt wird nicht geräteübergreifend gespeichert. Wer am PC liest und mobil übt, muss seinen Stand selbst organisieren. Der Aufbau folgt dem amtlichen Fragenkatalog und integriert Fragen in den Lehrtext.

Das kann dazu verleiten, auf Auswendiglernen statt auf technisches Verständnis zu setzen.

Fazit

Eine Mitgliedschaft ist für dich weniger sinnvoll, wenn die Kosten und Vereinsbindung nicht ins Verhältnis zum Nutzen passen. Der Jahresbeitrag ist jeweils zum 1. Januar fällig, auch wenn du Versicherungsschutz, QSL-Kartenvermittlung, Ortsverband oder das CQDL Magazin kaum nutzt oder nicht benötigst.

Du bist strikt an Satzung, Beitragsordnung und Vereinsstrukturen gebunden, nicht jeder lokale Ortsverband passt zwangsläufig zu deinen Interessen. Wer den DARC e.V. nur als Zeitschriften- oder Versicherungsabo betrachtet, sollte vorher genau prüfen, ob der Jahresbeitrag sich für das eigene Nutzungsprofil auch wirklich rechnet.

Als neuer Funkamateur kannst du Amateurfunk auch ohne DARC-Mitgliedschaft betreiben. Voraussetzung ist die bestandene Prüfung bei und eine Amateurfunkzulassung durch die Bundesnetzagentur, eine Mitgliedschaft im DARC ist dafür nicht nötig und in vielen Fällen auch nicht sinnvoll.

vy 73 de Jürgen
DL6WAB

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