Amateurfunk, Technikmuseum zum Mitmachen?

Im nachfolgenden Artikel nehme ich mein Recht auf freie
Meinungsäußerung gem. Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG)
sowie das Zitatrecht gem. § 51 Urheberrechtsgesetz (UhRG) wahr.
Was ist eine Meinung? Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema.
Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken
anregen und das soll sie auch!
Wo steht der Amateurfunk heute, wie sieht der aktuelle
Entwicklungsstand, der Stand der Technik in der Praxis aus und wo
stehen die Funkamateure?
Stand der Technik und Stand der Wissenschaft
Der „Stand der Technik“ und der „Stand der Wissenschaft“
unterscheiden sich vor allem in ihrem Fokus, Technik ist
praxisbezogen, Wissenschaft ist theorie‑ und forschungsorientiert.
Mit Stand der Technik ist der aktuelle Entwicklungsstand technischer
Verfahren, Geräte und Anlagen gemeint, die in der Praxis erprobt und
einsetzbar sind. Maßstab ist, was technisch machbar, wirtschaftlich
sinnvoll und im Regelfall bewährt und nicht nur theoretisch möglich
ist.
Mit Stand der Wissenschaft sind die neuesten, methodisch gesicherten
Forschungsergebnisse und Erkenntnisse eines Fachgebiets
(Hochfrequenztechnik) gemeint, etwa aktuelle Studien, publizierte
Theorien oder Modelle. Diese Erkenntnisse brauchen noch nicht in
technische Anwendungen umgesetzt zu sein, sie sind eher das „Wissen“
als die „praktische Umsetzung“.
Im Amateurfunk wird unter „Stand der Technik“ im Kern verstanden,
die heute technisch machbaren, praktisch erprobten und vertretbaren
Funk‑ und Messverfahren, die zur Einhaltung von Vorschriften (z.B.
zur Störfreiheit, Leistung, EMV, Messgenauigkeit) eingesetzt werden
sollten.
Das bedeutet konkret, moderne Geräte nutzen z.B.
digitale Signalverarbeitung, digitale Demodulation und
Filtertechnik, die heute als Standard gelten und nicht mehr als
„experimentell“, sondern als „Stand der Technik“ angesehen werden.
Auch Messgeräte (Analyser, Leistungsmesser, Spektrumanalysatoren)
müssen dem heutigen Stand der Technik entsprechen, also u.a.
kalibriert und mit ausreichender Messgenauigkeit arbeiten wenn
Amateurfunk‑Anlagen oder Messungen offiziell beurteilt werden.
Rechtskontext
In vielen Rechtskontexten spricht man daher vom „Stand der
Wissenschaft und Technik“, um sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse
als auch technische Umsetzbarkeit einzubeziehen.
Behörden und Normen (z.B. zur EMV oder zur Zulassung/Prüfung) können
z.B. vorschreiben, dass Mess‑ und Funkanlagen „dem Stand der
Technik“ entsprechen müssen. Das bedeutet dann, dass veraltete,
ungenaue oder nicht EMV‑konforme Lösungen nicht mehr ausreichen und
auch nicht mehr verwendet werden dürfen.
Innerhalb des Amateurfunkdienstes wird der Begriff (Stand der
Technik) oft implizit genutzt, um zu beschreiben, welche Techniken
(z.B. digitale Betriebsarten wie FT8, DMR‑Hotspots, HAMNET,
APRS‑Gateways) heute als zeitgemäß und ausreichend beherrscht
gelten.
Stand der Technik im Amateurfunk ist also das, was mit heute
gängiger, erprobter Funk‑ und Messtechnik unter Einhaltung von
Gesetzen und EMV‑Vorgaben vernünftigerweise möglich und erwartbar
ist.
Leider hinkt der praktizierte Amateurfunk in sehr vielen Bereichen
der aktuellen Entwicklung deutlich hinterher. Das liegt vor allem
daran, dass ein Großteil der Funkmateure schon älter sind und lieber
in der Vergangenheit schwelgen, als sich mit aktueller Technik zu
beschäftigen. Ja, ich kann das zum Teil verstehen, mir geht es mit
65 auch manchmal so, ich freue mich aber immer wieder, wenn ich
etwas neues ausprobieren und testen kann. Was bei allem Verständnis
nicht passieren darf ist, dass die Geräteliebhaberei im Amateurfunk
als der Stand der Technik angesehen und in Richtung der Newcomer
verkauft wird.
Leider ist das aber oft so,
Amateurfunk wird dann zum Technikmuseum zum Mitmachen!

Picture from K1USA - Gerätesammlung
Newcomer
Was treffe ich im Amateurfunk als Neueinsteiger an?
Meistens trifft man auf "es war einmal", insbesondere in
völlig
überalterten DARC e.V. Ortsverbänden. Es gibt auch wenige
Ausnahmen, die muss man aber wirklich suchen. Überwiegend treffen
sich am OV Abend die älteren Funkamateure und klönen über die Vergangenheit
nach dem Motto, früher war alles besser. Meine Erfahrungen in vier
Ortsverbänden, fehlende Willkommenskultur, seit Jahrzehnten gewachsene
Seilschaften und der Eindruck, dass man doch lieber unter sich ist und
auch bleiben will.
"Wir freuen uns immer auf neue Gäste!" Nein, dass tut ihr nicht, ihr
freut euch über neue Betragszahler!
Es versteht sich von selbst, dass junge Menschen
damit nichts anfangen können. Da reicht es auch nicht, den Newcomern
eine
CQ-DL
(03.2026) zu widmen und ihnen moderne
Kommunikationskanäle zur Verfügung zu stellen.
Die Kultur des DARC e.V. muss sich ändern, aber das tut sie nicht!
In überalterten Vereinen bedeutet Kulturveränderung vor allem, von
einer
vergangenheitsorientierten, hierarchischen und stark
traditionsgebundenen
Kultur hin zu einer offenen, partizipativen und lernbereiten
Kultur zu wechseln. Davon ist der DARC e.V. aber meilenweit entfernt
und die vielen älteren Funktionsträger sorgen schon dafür, dass sich
an diesem Zustand vorerst nichts ändert.
Wiedereinstieg
Deshalb auch Vorsicht beim Wiedereinstieg nach 35 Jahren, da ist
man dann schnell geneigt, den alten Kram vom freundlichen OM zu kaufen, den man aus der
Vergangenheit vielleicht noch kennt. Hände weg, der Amateurfunk hat sich in 35
Jahren auch massiv weiterentwickelt! Weltempfänger und Funkgeräte
von Sommerkamp, Drake, Sony und
Grundig waren damals toll, sind es heute aber nicht mehr und
entsprechen zudem auch nicht mehr dem Stand der Technik!
Picture SONY -
SONY ICF 2001D 1985

Die großen Auktionsplattformen sind voll mit völlig überholter
Amateurfunk- und Rundfunktechnik und das noch zu völlig überzogenen
Preisen. Da kommt man ganz schnell zu dem Schluss, dass es sich hier
nur um
Liebhabergeräte
zu völlig überzogenen Liebhaberpreisen handeln
kann. Wie lange wird es die Liebhaber noch geben und was passiert
dann mit den Geräten? So viele Museen kann man gar nicht eröffnen
und auch aus anderen Bereichen sind solche Entwicklungen
festzustellen, z.B.
die große Sammlung alter Röhrenradios
, über Jahrzehnte
mühsam zusammengetragen und dann entsorgt.
Liste von Rundfunkmuseen – Wikipedia

Irgendwann hat sich alles überlebt und irgendwann wird es auch
einfach nicht mehr gebraucht, dass ist nicht nur in der Technik so,
sondern im richtigen Leben auch!
vy 73 de Jürgen
DL6WAB
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