Digitale Betriebsarten

Hier möchte ich einige gängige "digitale" Betriebsarten vorstellen.

Informationen über digitale Betriebsarten gibt es im Internet zur Genüge, deshalb beschränke ich mich auf die gängisten Betriebsarten (Beschreibung, Frequenzen, Software, Informationen und Bezugsquellen) und verlinke ansonsten auf Seiten und Angebote Dritter.

Alle hier gemachten Angaben sind nicht verbindlich! Vor dem Betrieb in einer digitalen Betriebsart bitte unbedingt die Bandpläne beachten. Manche Voreinstellungen entsprechen nicht den empfohlenen Frequenzen der Bandpläne!

Digitale Betriebsarten werden, bis auf wenige Ausnahmen, in der Modulationsart SSB im oberen Seitenband (USB) betrieben. Die Angabe der Frequenzen  entspricht der unterdrückten Trägerfrequenz bei SSB. Die Signale werden dann oberhalb der Dial Frequenz ausgesendet! Zum Betrieb benötigt man in der Regel ein Interface und eine Software.

Die c´t (Magazin für Computer Technik) hat bereits 2008 einen sehr schönen Artikel mit dem Titel "Jenseits der Rauschgrenze" über digitale Betriebsarten veröffentlicht. Sehr lesenswert!


PSK31PSK31, 63, 128 (Phase-Shift Keying)

Die Phasenumtastung (englisch Phase-Shift Keying, PSK) ist ein digitales Modulationsverfahren in der Nachrichtentechnik. Dabei wird eine sinusförmige Trägerschwingung durch den zu übertragenden digitalen Datenstrom in diskreten Phasenstufen umgetastet. In der einfachsten Form, der binären PSK (BPSK) oder 2-PSK, kann pro Symbol ein Bit übertragen werden.

Jeweils oberhalb von 1.838, 3.580, 7.040, 10.140, 14.070, 18.100, 21.070, 24.920 und 28.120 kHz. Der jeweils rund ein Kilohertz breite, untere Abschnitt wird bevorzugt von QRP-Stationen genutzt (z. B. 10.140 - 10.141 kHz); PSK63 und PSK125 u. a. werden gerne zwei kHz und höher von den oben genannten Frequenzen betrieben (z. B. oberhalb von 10.142 kHz).


SIM31SIM31 (Structured Integrated Message BPSK 31 bauds)

Das SIM31 Übertragungsverfahren ist eine Weiterentwicklung von PSK31 durch OM Dany Surquin, ON4NB. SIM31 ist wesentlich empfindlicher als z.B. Telegrafie oder PSK31 und kommt mit Übertragungsbandbreiten von unter 45 Hz aus.

Eine schöne Beschreibung der Entwicklung ist hier zu finden.

1.839, 3.596, 7.045, 10.142, 14.067 (20 m ist nicht Bandplan konform), 18.098, 21.100, 24.916, 28.127 kHz

 


FLDIGIMFSK16, MT63, OLIVIA, RTTY, THROB, THOR, Contestia usw.

SSTV, AMTOR, PACTOR, PSK, RTTY usw. sind auf einen Computer angewiesen (auch als MGM - machine generated mode - bezeichnet). Wenn ein Computer zur Decodierung der Signale verwendet wird, wird das empfangene NF-Signal in die Soundkarte eingespeist. Entsprechend werden die zu sendenden Signale von der Soundkarte umgewandelt und dann gesendet. Anstelle der Soundkarte kann auch ein Terminal Node Controller (TNC) beispielsweise ein Modem verwendet werden.

1.838-1.842, 3.583-3.600, 7.043-7.050, 10.143-10.150, 14.080-14.099, 18.103-18.109, 21.080-21.120, 24.923-24.929 und 28.080-28.150 kHz

Stationen in Olivia 32/1000 treffen sich vor allem auf 14.107,5 kHz (Center Frequency, Mittenfrequenz).


HELLFELD HELL, PSK HELL und HELL 80

Der Hellschreiber, eigentlich Typenbildfeldfernschreiber genannt, ist ein von Rudolf Hell erfundenes Fernschreibgerät, das Mitte des 20. Jahrhunderts auf besonders störanfälligen Übertragungswegen benutzt wurde. Das Prinzip wurde 1929 patentiert und sowohl mit Funk-Übermittlung als auch über Kabel eingesetzt. Besondere Bedeutung hatte er bei der Übertragung von Pressefunknachrichten bis in die 1980er Jahre. Die Betriebsart HELL wird heute noch von Funkamateuren genutzt.

+/- 3.584, 7.044, 10.144, 14.074, 18.104, 21.074, 24.924 und 28.074 kHz (jeweils „Center Frequency“, also Mittenfrequenz)


SSTVFAX/SSTV

Slow Scan Television (SSTV) ist eine analoge Betriebsart im Amateurfunkdienst und dient der Übertragung von Standbildern. SSTV ist die schmalbandige Vorstufe zum breitbandigen Amateurfunk-Fernsehen (über 7 MHz Bandbreite). SSTV besitzt eine dem Sprachkanal angepasste Bandbreite (unter 3 kHz) und ist dadurch geeignet, um auf Kurzwelle Bilder zu versenden.

3.735 (LSB/DRM-SSTV 3.733), 7.165 (LSB/DRM-SSTV 7.058), 14.230 (USB/DRM-SSTV 14.233), 21.340 (USB/DRM-SSTV 21.233), 28.680 (USB) kHz

 


WSJT-XJT65

WSJT (Weak Signal communications, by K1JT) ist eine Gruppe (JT65, JT9, FT8, WSPR) von Übertragungsprotokollen und eine freie Amateurfunk-Software zur Kommunikation mit schwachen Signalen. Sie wurden vom Funkamateur und Nobelpreisträger für Physik Professor Joseph Hooton Taylor Jr. (Amateurfunkrufzeichen K1JT) entwickelt. Die digitale Signalverarbeitung durch WSJT macht es für Funkamateure wesentlich einfacher, bestimmte Ausbreitungsarten wie Meteorscatter und Erde-Mond-Erde zu nutzen. Es hat auf UKW die früher für sehr schlechte Übertragungswege übliche Morsetelegrafie abgelöst.

Dial Frequencies, 136,13 kHz, 474,2 kHz, 1.838,0 kHz, 3.576,0 kHz, 5.357,0 kHz, 7.076 kHz, 10.138,0 kHz, 14.076,0 kHz, 18.102,0 kHz, 21.076 kHz, 24.917 kHz, 28.076 kHz


FT8FT8

FT8 ist eine recht neue digitale Betriebsart (2017), die sehr für niedrige Sendeleistung ("QRP-Betrieb") und für Stationen mit Antennendefiziten sehr geeignet ist. Diese Betriebsart wurde sehr rasch populär und dominiert zur Zeit die Kurzwellenbänder. FT8 hat viele Gemeinsamkeiten mit JT65, JT9 und JT4, der zeitliche Ablauf ist allerdings semiautomatisch in Durchgängen von 15s Dauer organisiert. FT8 QSOs werden deshalb viermal schneller als in JT65 und JT9 abgewickelt.

Dial Frequencies, 1.840,0 kHz, 3.573,0 kHz, 7.074 kHz, 10.136,0 kHz, 14.074,0 kHz, 18.100,0 kHz, 21.074 kHz, 24.915 kHz, 28.074 kHz


WSPRWSPR

Weak Signal Propagation Reporter (WSPR, engl. Aussprache whisper für „Flüstern“) ist die Bezeichnung eines automatischen Datenübertragungsverfahrens, das sichere Übermittlung auch noch bei sehr stark gestörtem Übertragungskanal ermöglicht (z. B. sehr schwaches Nutzsignal gestört durch thermisches Rauschen).

Die Frequenzen, die WSPR verwendet, sind fest programmiert, zusätzliche Frequenzen lassen sich aber ergänzen (wie z. B. im 60-m-Band): 0.136, 0.4742, 1.8366, 3.5926 (geplant 3.5726 kHz), 5.3647, 7.0386, 10.1387, 14.0956, 18.1046, 21.0946, 24.9246, 28.1246 kHz. Die möglichen Sendefrequenzen liegen - von der Software her bedingt - im Bereich von 1400 bis 1600 Hz oberhalb der oben genannten "dial frequencies". D. h., dass zum Beispiel im 630-m-Band damit der Bereich von 475,6 bis 475,8 kHz für WSPR zur Verfügung stünde.


FSQFSQ ("Fast Simple QSO")

Derzeit treffen Interessierte sich auf folgenden Frequenzen (sog. "dial frequency", also Frequenzanzeige des Gerätes!): 3588, 5355, 7044 und 10144 kHz USB

Für Experimente in dieser neuen digitalen Betriebsart auf den höheren KW-Bändern werden bislang vorgeschlagen: 14074, 18104, 21074, 24924 und 28124 kHz.

 


FT8CALLFT8Call

Neue Betriebsart aus der Feder von KN4CRD (Jordan Sherer). FT8Call Basiert auf FT8 hat aber den Vorteil, dass längere Inhalte in mehreren Durchgängen versendet werden können. Das erklärte Ziel von Jordan Sherer bestand darin, die Textbausteinstruktur der verschiedenen JT-basierten Modi durch Tastatureingaben zu erweitern und somit Funkverbindungen freier zu gestalten. Die Software enthält einen Baken-Modus. Die Aktivität in in FT8Call ist noch ziemlich gering, die größten Erfolgsaussichten für eine Verbindung bestehen auf 14,080 MHz im 20 m Band.

  • Software: FT8CALL
  • Sound und Wasserfallbild

 

 



ROSROS

ROS wurde 2010 vom spanischen Funkamateur José Alberto Nieto Ros (EA5HVK) publiziert. Es eignet sich für schwierige Übertragungsverhältnisse, wie sie auf Kurzwelle oder bei Erde-Mond-Erde (EME) typisch sind (niedriges Signal-Rausch-Verhältnis und Mehrwegempfang). Das Signal kann noch decodiert werden, wenn es mehr als 30 dB schwächer als das Rauschen ist, d. h. vom menschlichen Ohr nicht mehr wahrgenommen werden kann.

Frequenzen: 136, 476, 1.840, 3.583, 3.585, 3.587, 3.589, 5.367, 7.040, 7.044, 7.046, 7.048, 10.132, 10.134, 14,088, 14,101, 14,103, 14,116, 18,107, 18,111, 21,110, 21,115, 24,916, 24,926, 28,185, 28,295, 50,245, 70,280, 144,980, 432,097

PC ALEPC ALE

Automatic Link Establishment (kurz ALE, engl. für „automatischer Verbindungsaufbau“) ist ein digitales Kommunikationsprotokoll und Selektivrufverfahren zur Etablierung von Sprach- und Datenkommunikation via Kurzwelle gemäß der US-amerikanischen technischen Militärnormen MIL-STD-188-141 und MIL-STD-188-110. Es ist de facto ein weltweiter Standard für den digitalen Aufbau und die Aufrechterhaltung von Kurzwellenkommunikation. ALE ermöglicht in der primären Funktion als Selektivrufverfahren zur synchronen Kommunikation die automatische Herstellung einer Verbindung zu einer spezifischen Station oder Gruppe von Stationen (Netzwerk) weltweit, um daraufhin in einer anderen Betriebsart zu kommunizieren.

Die ALE Frequenzen sind hier zu finden.


UISSPR und APRS

Packet Radio (PR) ist etwas aus der Mode gekommen, soll hier aber trotzdem Erwähnung finden. Packet Radio ist ein Verfahren zur digitalen Datenübertragung im Amateurfunk. Die Informationen werden in kurzen Datenpaketen (meist maximal 255 Byte) ausgesendet und beim Empfänger wieder zusammengesetzt. Rechner kommunizieren dadurch drahtlos mit automatischer Fehlerkorrektur.

Das Automatic Packet Reporting System (APRS) stellt eine spezielle Form von Packet Radio im Amateurfunkdienst dar. Das System wurde in den 1980er Jahren vom amerikanischen Funkamateur Bob Bruninga (Rufzeichen WB4APR) entwickelt. APRS ermöglicht die automatisierte Verbreitung von Daten (z. B. GPS-Position, Wetterdaten, kurze Textnachrichten) über beliebige Entfernungen im Packet-Radio-Netz.

APRS Frequenz: 144,800 MHz
ISS: 145,800 MHz


WINMOR WINLINKWINLINK, WINMOR

WINMOR (engl. WinLink mail over radio „WinLink-Mail über Funk“) bezeichnet eine digitale Betriebsart im Amateurfunkdienst. Es wurde für die Verwendung mit WinLink auf Kurzwelle entwickelt und ermöglicht das Übertragen von Daten, z.B. E-Mails über Kurzwelle im Amateurfunk. WINMOR bietet eine Alternative zur PACTOR-Übertragung im Kurzwellen-Bereich des WinLink-Systems.

Im Gegensatz zu PACTOR arbeitet WINMOR ohne teuren Hardware-TNC, es reichen die Soundkarte eines Computers und ein SSB-Transceiver zum Modulieren und Demodulieren.