Der Amateurfunkdienst

Der Amateurfunkdienst ist ein "technisch-, wissenschaftlicher Funkdienst" welcher sich mit der Technik der drahtlosen Kommunikation befasst.

Personen, die am Amateurfunkdienst teilnehmen, werden als Funkamateure bezeichnet. Die Bezeichnung Amateurfunker ist eher unüblich, um sie nicht mit den Personen zu verwechseln, die nicht "lizenziert" sind, denn zur Teilnahme am Amateurfunk ist grundsätzlich eine Zulassung zum Amateurfunkdienst erforderlich. Ein Funkamateur bekommt von der zuständigen Fernmeldebehörde (Bundesnetzagentur) ein eindeutiges und weltweit einmaliges Rufzeichen zugewiesen und betreibt eine Amateurfunkstelle.

Als geprüfter Funkamateur erhält man viele Rechte, unterliegt aber bei seinen Experimenten, Versuchen und dem Funkbetrieb den umfangreichen Regelungen im Amateurfunkdienst.

Der Weg zum Funkamateur

Irgendwann stellt sich vielleicht die Frage, wie werde ich Funkamateur? Was muss ich tun, was ist notwendig? Ein gewisser „Hang zur Technik“ sollte schon vorhanden sein, letztlich ist genau dieser Punkt die größte Motivation um Funkamateur zu werden.

Welche Voraussetzungen sind erforderlich?

Anforderungen
Notwendig Hilfreich/Sinnvoll
Mindestalter Nein Sowie ein Verständnis für technische Zusammenhänge besteht
Schulabschluss Nein Fremdsprachenkenntnisse (insbesondere Englisch) sind hilfreich.
Berufsausbildung Nein Eine Berufsausbildung oder Kenntnisse in der Elektrotechnik/Elektronik sind hilfreich.
Mitgliedschaft in einem Verband

Nein

Betreuung, monatl. Zeitschrift, Versicherungs-schutz (Haftpflicht, Unfall, Elektronik), QSL Vermittlung
 

Welche "Klassen" gibt es?

Klasse "DE"

Kurzwellenhörer, kein Sendebetrieb

Ist der erste Einstieg in die Welt der Funkamateure.

Eine SWL-Tätigkeit kann sich, bei der Vorbereitung auf die Amateurfunkprüfung, sehr positiv auswirken. Die Prüfungsanforderungen liegen deutlich unter der Klasse E Prüfung und können in einem Ortsverband des DARC e.V. abgenommen. Mit bestandener DE-Prüfung wird dem SWL ein DE-Kennzeichen durch den DARC e.V. zugeteilt.

Die SWL Prüfung berechtigt zur Teilnahme an der QSL Vermittlung über das QSL Büro des DARC e.V.

Klasse "DN"

Rufzeichen für die Ausbildung

Amateurfunkbetrieb für Nicht-Funkamateure unter Aufsicht.

Ein Ausbildungsrufzeichen ist ein Rufzeichen aus der Präfixreihe DN1 bis DN8 und kann von Funkamateuren der Klasse E oder A beantragt werden.

Dabei werden für die Klasse A die Präfixe DN1 bis DN6 und für die Klasse E DN7 und DN8 verwendet. Rufzeichen mit dem Präfix DN9 werden nicht vergeben. Rufzeichen mit dem Präfix DN0 sind Klubstationen der Klasse E.

Klasse K

ELL

In Planung

Zurzeit plant der DARC e.V. die Einführung einer Amateurfunk Einsteigerklasse unterhalb der Klasse E, Klasse K (K = Kleine Klasse), um mehr Mitglieder und Funkamateure zu gewinnen. Beschränkung der Leistung auf max. 10 W (ERP). Beschränkung auf bestimmte Frequenzbereiche.

Klasse E

ECC (05)06, NOVICE
Die „Einsteigerklasse“. Beschränkung der Leistung auf max. 100 W (PEP). Beschränkung auf bestimmte Frequenzbereiche. Prüfung in Technik, Betriebstechnik und Vorschriften.
Klasse A

T/R 61-02, HAREC
Die „Königsklasse“. Beschränkung der Leistung auf max. 750 W (PEP). Alle dem Amateurfunkdienst zugewiesenen Frequenzbereiche sind nutzbar. Prüfung in Technik, Betriebstechnik und Vorschriften. Wer die Klasse E schon hat, braucht nur noch die Erweiterungsprüfung (Technik) für die Klasse A zu machen.

Entwicklung der Zulassungen (Klassen)

Quelle: www.darc.de

Quelle: www.darc.de

Welche Bezeichnung ist denn nun für wen richtig?

Amateurfunker, Funkamateur, Hobbyfunker, Funker, alles Bezeichnungen, die mehr oder weniger im Zusammenhang mit dem Funk gebräuchlich sind. Die Diskussion um die richtige Anwendung der Begriffe treibt sehr oft seltsame Blüten.

Wer ist aber nun was? Schauen wir mal in das Amateurfunkgesetz. Da steht im § 2 (Begriffsbestimmungen):

Im Sinne dieses Gesetzes ist

1. Funkamateur der Inhaber eines Amateurfunkzeugnisses oder einer harmonisierten Amateurfunk-Prüfungsbescheinigung auf Grund der Verfügung 9/1995 des Bundesministeriums für Post und Telekommunikation vom 11. Januar 1995 (Amtsblatt S. 21), der sich mit dem Amateurfunkdienst aus persönlicher Neigung und nicht aus gewerblich-wirtschaftlichem Interesse befasst,

2. Amateurfunkdienst ein Funkdienst, der von Funkamateuren untereinander, zu experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung, zur Völkerverständigung und zur Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen wahrgenommen wird; der Amateurfunkdienst schließt die Benutzung von Weltraumfunkstellen ein. Der Amateurfunkdienst und der Amateurfunkdienst über Satelliten sind keine Sicherheitsfunkdienste,

3. eine Amateurfunkstelle eine Funkstelle, die aus einer oder mehreren Sendefunkanlagen und Empfangsfunkanlagen einschließlich der Antennenanlagen und der zu ihrem Betrieb erforderlichen Zusatzeinrichtungen besteht und die auf mindestens einer der im Frequenznutzungsplan für den Amateurfunkdienst ausgewiesenen Frequenzen betrieben werden kann.

Also, der Teilnehmer am Amateurfunkdienst ist ein (staatlich geprüfter) Funkamateur und nichts anderes!

Fazit

Eine Unterscheidung zwischen Funkanwendung und Funkdienst ist durchaus sinnvoll. Es ist auch sinnvoll, die Teilnehmer voneinander zu unterscheiden. Dafür hat der Gesetzgeber verschiedene Begriffe etabliert, um eben genau das zu bewirken.

Wie werde ich Funkamateur?

um Funkamateur zu werden muss man etwas dafür tun. Was kommt auf den angehenden Funkamateur an Aufwand zu? Hier an dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung über Ausbildung, Kosten und Nutzen.

Was habe ich davon?

Amateurfunk ist ein sehr technisches Hobby. Primär geht es natürlich um Hochfrequenz-Technik aber auch um Kommunikation. Die Motivation, etwas Neues zu lernen, sollte natürlich vorhanden sein. Die Ausbildung vermittelt Kenntnisse in den Bereichen Technik, Vorschriften und Betriebstechnik. Funkamateure verfügen nach der Ausbildung über ein ausgeprägtes technisches Wissen. Nach bestandener Prüfung stehen dem Funkamateur verschiedene Frequenzbereiche zur Verfügung, die er im Rahmen seiner Lizenzklasse für Experimente und zur Kommunikation mit anderen Funkamateuren nutzen darf.

Wie geht man am besten vor?

Aus eigener Erfahrung würde ich dazu raten, zuerst die Klasse E zu machen. Darin enthalten sind Betriebstechnik, Vorschriften und ein kleiner Teil Technik. Danach empfehle ich ca. 1 Jahr Praxis als Klasse E Funkamateur um die erworbenen Kenntnisse in der Praxis auszuprobieren und zu festigen. Dann die Erweiterungsprüfung nach Klasse A (nur noch Technik). Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass man mit der Klasse E so gut wie alles ausprobieren und Erfahrungen sammeln kann. Später kann man entscheiden, ob man die zusätzlichen Möglichkeiten der Klasse A (erweiterte Frequenzbereiche, höhere Leistung) nutzen möchte oder nicht.



In der Grafik ist der Umfang der Fragen der BNetzA (Fragenkataloge) aufgezeigt wobei es die Klasse 3 nicht mehr und die Klasse K noch nicht gibt.

Frequenzbereiche und erlaubte Leistung

Die für die Klasse A und die Klasse E freigegebenen Frequenzbereiche und die erlaubte Leistung (PEP) stellen sich wie folgt dar.

Was kostet mich der Spaß?

Um Funkamateur zu werden muss man sich darüber im Klaren sein, es kostet Geld!

 

Wofür?
 
Kosten
 
Anmerkung
 
Ausbildung 0 - ca. 100.- € Es geht auch mit 0.- € Kosten. Lernunterlagen, Fernlehrgänge und kostenlose Lernprogramme gibt es jede Menge. In der Gruppe ist die Ausbildung aber effektiver und angenehmer. Der Fernlehrgang des DARC e.V. setzt eine Mitgliedschaft voraus.
Gebühr 80.- € BNetzA Gebühren für die Klasse E Prüfung. Fällig zur Prüfung
Gebühr 70.- € BNetzA Gebühren für die Zulassung und das weltweit einmalige Rufzeichen. Fällig nach bestandener Prüfung
Mitgliedschaft 96.- € Mitgliedschaft im DARC e.V. Ist nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll! Viele Leistungen.
Funkgerät 250.- bis ? Gebrauchte Funkgeräte gibt es schon für kleines Geld. Für den Anfang reicht das erst mal aus. Später kann man sich immer noch etwas "Besseres" kaufen.
Antenne 50.- bis ? Auch hier gilt, gebrauchte Antennen gibt es schon für wenige €. Es muss nicht gleich das "Beste" sein.
Zubehör 50.- bis ? Netzteil, SWR Messbrücke, Interface usw. schlagen auch noch mal zu buche. Aber auch hier kann man erst mal mit gebrauchten Geräten anfangen.
jährl. Beiträge 20.- bis 50.- € Frequenznutzungs- und EMV Beiträge, die die BNetzA erhebt. Die Beiträge sind jährlich unterschiedlich.
     

Wie lange dauert die Ausbildung?

Das kommt auf jeden selbst an. Eine elektrotechnische Vorbildung (z.B. Berufsausbildung) und Kenntnisse der englischen Sprache sind von Vorteil aber kein Muss. In der Regel kann man von ca. 6 Monaten pro Klasse (E oder A) ausgehen. Crashkurse sind bedingt zu empfehlen. Der dort vermittelte Stoff ist sehr komprimiert reicht vielleicht nicht aus um die Prüfung zu bestehen auch wenn das oft anders dargestellt wird.

Hilfen, Unterlagen und Software für die Ausbildung

Vorbereitung auf die Amateurfunkprüfung

Vorbereitung mit dem Ham Radio Trainer

Ablauf der Prüfung

Nach der Prüfung

Links zu Themen (auch zum Download und ausdrucken!)

Weitere Informationsangebote

Sehr gute Unterlagen von DL9HCG (Günter Lindemann, sk)

Der Autor bietet zu jeder Frage der Prüfungsvorbereitung den kompletten Lösungsweg auf einer ganzen Bildschirmseite an.

Wichtige Links

Benötigtes Material

Teilnehmerzahlen am Amateurfunkdienst

Ein oft diskutiertes Thema, wie viele sind wir denn noch und wie gewinnt man wieder junge Menschen für den Amateurfunkdienst. Die Teilnehmerzahlen am Amateurfunkdienst und die Mitgliederzahlen beim DARC e.V. gehen seit Jahren zurück und es ist nicht abzusehen, dass sich an diesem Zustand etwas ändert. Aber Vorsicht, man muss hier unterscheiden zwischen Teilnehmern am Amateurfunkdienst und Mitgliedern im DARC e.V.

Zuerst einmal ein par Zahlen, Daten und Fakten überwiegend von der Bundesnetzagentur (BNetzA) und vom DARC e.V..

Teilnehmerzahlen am Amateurfunkdienst (BNetzA)

Altersstruktur der Teilnehmer am Amateurfunkdienst (BNetzA)

Mitgliederzahlen des DARC

Konzepte und Ausarbeitungen

Nach meinen eigenen Recherchen scheint es seit 2011 tatsächlich eine leichte Zunahme bei der Anzahl der Prüfungstermine der BNetzA und den daraus resultierenden Zulassungen zu geben wie die nachfolgende Grafik zeigt. Das ist sehr erfreulich. Trotzdem sieht es insgesamt noch so aus, dass die Zugänge die Abgänge (noch) nicht ausgleichen können. Inwieweit sich dieser positive Trend auf die Mitgliederzahlen des DARC e.V. auswirkt bzw. ausgewirkt hat, kann ich hier nicht darstellen. Ob es dazu Zahlen gibt ist mir nicht bekannt.

Teilnehmerzahlen am Amateurfunkdienst


© 2017, DL6WAB, unter Verwendung von Zahlenmaterial der BNetzA

Spalte C = Anzahl der Prüfungstermine, die die BNetzA bundesweit durchgeführt hat
Spalte D = Klasse A Prüfungsteilnehmer
Spalte E = Klasse E Prüfungsteilnehmer
Spalte F = Prüfungsteilnehmer gesamt

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der Abgeordneten Ralph Lenkert, Caren Lay, Karin Binder, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE hervorgeht, ist die Anzahl der Teilnehmer am Amateurfunkdienst von 79380 (2000) bis auf 67349 (2015) Amateurfunkzulassungen zurückgegangen.


Quelle: Bundesregierung

Interessant wäre zu wissen, wie viele dieser Amateurfunkzulassungen tatsächlich noch verwendet werden, also die Inhaber wirklich noch am Amateurfunkdienst aktiv teilnehmen.


Quelle: Bundesnetzagentur, Referat 225


Quelle: https://twitter.com/IGFSrelais/status/715093477395197952

Wenn man sich die Altersstruktur im Amateurfunkdienst ansieht wird man schnell feststellen, was die nächsten Jahre passieren wird. Man braucht die Kurve ja gedanklich nur von Jahr zu Jahr nach rechts zu schieben und etwas zu interpolieren.

Meine Einschätzung

Wenn man bei Google lange genug sucht findet man ein schier unendliches Angebot an Ideen, Konzepten, Meinungen, Diskussionen in Foren, Vorschlägen, Gegenkonzepten, Aufsätzen usw. usw. usw. Zwischen sachlichen Diskussionen und schon ziemlich heftigen Beleidigungen ist alles vertreten, das Thema polarisiert sehr stark.

Was ich sehr vermisse sind nachvollziehbare Ergebnisse, die aus den vielen Vorschlägen, Konzepten und Ideen hervorgegangen sind. Da ist das Angebot ziemlich dünn.