Aktuelle 2m Band Problematik

Save the VHF Band

144-MHz-Band im französischen Vorschlag zur WRC-19 gestrichen!

Bekanntermaßen hatte Frankreich im Juni den CEPT-Vorbereitungsgremien zur WRC-19 kurzfristig einen Vorschlag zur gemeinsamen Nutzung des 2-m-Bandes durch Amateurfunk/Satelliten-Amateurfunk und nicht-sicherheitsrelevanten Flugfunk (AMS) gemacht: Es sollten Studien durchgeführt werden, ob und wie ein paralleler Betrieb im Bereich 144-146 MHz möglich wäre. Auf Basis dieser Studien würde dann auf der WRC im Jahre 2023 eine abschließende Entscheidung getroffen. Dieser Vorschlag ist nun vom Tisch!

Noch beim Treffen des CEPT Project Teams A im Juni in Prag hatte sich nur Deutschland gegen das französische Ansinnen ausgesprochen: Das DARC-Referat Frequenzmanagement mit Ulrich Müller, DK4VW, und Bernd Mischlewski, DF2ZC, sowie RTA-Berater Hanspeter Kuhlen, DK1YQ, hatte trotz der Kurzfristigkeit der französischen Eingabe noch Gelegenheit erhalten, eine Stellungnahme zu fertigen. Diese führte dann zur Ablehnung des Vorschlags durch die deutsche Delegation. Bei der Besprechung der Conference Preparatory Group der CEPT in dieser Woche in Ankara sprachen sich nun weitere europäische Verwaltungen gegen den französischen Vorschlag aus. Damit war das notwendige Quorum von mindestens sechs Ablehnungen erfüllt.

Für den DARC hatte DF2ZC zuvor ein detailliertes Papier erstellt, in dem durch Feldstärkeberechnungen und Signalsimulationen deutlich aufgezeigt wird, dass ein gleichzeitiger Betrieb von Amateurfunk und AMS im 2-m-Band nicht ohne erhebliche gegenseitige Störungen möglich ist. Diese Unterlage wurde in Ankara sogar als offizieller Beitrag Deutschlands eingebracht. Auch die IARU hatte in einer eigenen Stellungnahme substantiell begründet, weshalb das französische Ansinnen nicht umsetzbar ist.

Auf diesem Erfolg gilt es nun aber nicht, sich auszuruhen. Alles in dieser Angelegenheit zuvor Gesagte gilt weiterhin: Sorgen wir also noch mehr dafür, dass der gesamtgesellschaftliche Mehrwert des Amateurfunkdiensts besser wahrgenommen wird: Aus- und Eigenbildung zu technischen Themen, Interesse an MINT-Fächern, Entwicklung moderner technischer Konzepte, Ausbreitungsstudien etc. Und vor allem der Notfunk als einzig mögliche Kommunikations-Plattform bei Ausfall der öffentlichen Telekommunikation ist hier zu nennen: Erzählen Sie Ihren Freunden, Kollegen und Bekannten doch mal davon. Die werden möglicherweise überrascht sein.

Und machen wir uns bewusst: Ohne eine starke Interessenvertretung der Funkamateure wäre dieses positive Ergebnis auch nicht möglich gewesen, national (DARC und andere europäische Amateurfunkorganisationen) und international (IARU). Vielleicht erzählen Sie das mal Funkfreunden, die sich damit brüsten, nicht Mitglied im DARC zu sein. Darüber berichtet Bernd Mischlewski, DF2ZC, vom DARC-Referat Frequenzmanagement.

Quelle: www.darc.de


Um was geht es überhaupt?

Die französische Fernmeldeverwaltung hat bei der CEPT einen Antrag eingereicht, den Frequenzbereich von 144 MHz -22,2 GHz für die Prüfung einer neuen AMS-Zuweisung "vorsehen" zu lassen. Sofern dieser Antrag von der CPG19 angenommen würde, würden später dann die Funkverträglichkeitsbedingungen für eine zusätzliche AMS-Zuweisung im Bereich zwischen 144 MHz und 22,2 GHz in ITU-R Studiengruppen detailliert untersucht werden. Das VHF Band (144 - 146 MHz) wäre davon auch unmittelbar betroffen, grenzt der jetzige AMS Service (Flugfunkdienst) doch direkt an das 2m Band der Funkamateure! Treiber dieses Vorstoßes ist vermutlich der französische Rüstungskonzern Thales.

"Nachtigall, ick hör dir trapsen!"

Quellen

  1. https://www.f4fxl.org/update-on-the-threats-on-2m-amateur-band/
  2. https://www.kb6nu.com/will-we-lose-the-2m-band/
  3. https://hackaday.com/2019/07/01/the-backbone-of-vhf-amateur-radio-may-be-under-threat/
  4. https://news.ycombinator.com/item?id=20321272
  5. http://detlef-meis.de/2019/06/26/keine-starke-ablehnung-des-umverteilungsvorschlags-fuer-144-146-mhz-auf-der-cept-sitzung/

Stellungnahme durch den DARC e.V.

Stellungnahme zur aktuellen 2-m-Band Problematik
29.06.2019

Auf der Suche nach Frequenzspektrum für kommerzielle Datenkommunikation zwischen Luftfahrzeugen und Bodenstationen (Aeronautical Mobile Service; AMS) droht das 2-m-Band als potentiell geeignetes Band in die Untersuchungen für eine gewünschte neue AMS-Zuweisung mit einbezogen zu werden.

Zurzeit handelt es sich zwar „nur“ um einen diesbezüglichen Antrag Frankreichs an die CEPT Vorbereitungsgruppe (CPG19, Conference Preparatory Group und PTA, Project Team A, Untergruppe der CPG19) für die im Oktober 2019 stattfindende Weltfunkkonferenz (WRC-19) im ägyptischen Sharm El-Sheikh.

Sollte der Antrag in dieser Form jedoch auf der nächsten CPG19-Sitzung im August in Ankara genügend Unterstützung der 48 CEPT-Mitgliedsstaaten erhalten, hätte er gute Chancen, auch auf die Agenda der übernächsten WRC-23 zu gelangen.

In den vier Jahren bis zur WRC-23 würden dann die Funkverträglichkeitsbedingungen für eine zusätzliche AMS-Zuweisung im Bereich zwischen 144 MHz und 22.2 GHz in ITU-R Studiengruppen detailliert untersucht werden. Ergebnisse zu allen Aspekten dieser Untersuchungen wären ITU-R Reports und ITU-R Empfehlungen (Recommendation), die auch im Konsens der 193 ITU Mitgliedsländer zu erarbeiten sind. Diese Dokumente, zusammen mit
politischen Bewertungen, werden dann auf der WRC-23 zu einer Entscheidung führen, ob oder wie die ITU Radio Regulations (VO-Funk) in den entsprechenden Frequenzbereichen geändert werden.

Im gesamten Prozess wird die IARU, unterstützt durch regulatorische Experten der Mitgliedsverbände (DARC, RSGB usw…) versuchen, auf die Entscheidungen dieses Prozesses in Sinne des vollständigen Erhalts der bestehenden 2-m-Band-Zuweisung hinzuwirken.
Die entsprechenden Kosten dieses Engagements werden durch den Anteil an nationalen Mitgliedsbeiträgen getragen, den jeder IARU-Verband an die IARU überweist.

Allerdings, jetzt ist ein kühler Kopf angesagt: Bekanntlich haben unsere beiden Funkdienste (Amateur und Amateur-Satellite Service) im 2-m-Band primäre Zuweisungen. Wie bei jedem anderen der über 40 in den ITU Radio Regulations definierten Funkdienste sind mit einer solchen primären Zuweisung besondere Rechte auf einen störungsfreien Funkbetrieb verbunden.

Es gibt jedoch keine Ewigkeitsgarantie für diese Rechte! Jede WRC ist eine unabhängige Konferenz der ITU-Mitgliedsstaaten, bei der völkerrechtlich verbindliche Vereinbarungen getroffen werden, die im Range eines Staatsvertrags stehen. So wird beispielsweise die auf der WRC-19 im Konsens der 193 Mitgliedsländer beschlossene neue Version der ITU Radio Regulation (VO Funk) die heute gültige Version 2016 und alle vorherigen ersetzen.

Die Verwaltung jedes Mitgliedsstaats stimmt am Ende einer WRC formell der verabschiedeten neuen Version zu und veranlasst im nationalen Gesetzgebungsverfahren die vollständige, ggfs. auch teilweise Übernahme aller beschlossenen Änderungen in nationales Recht.

Was unternimmt nun die IARU (DARC, RSGB, NRRL usw.…)? Und was kann jeder einzelne Funkamateur beitragen, dass unser 2-m-Band nicht auf der Liste verbleibt, wenn im Oktober/November die WRC-19 über die Agenda der folgenden WRC-23 entscheidet?

Die IARU arbeitet bereits intensiv daran, bis August dieses Ziel zu erreichen. Dann tagt in der Türkei die Conference Preparatory Group (CPG) der CEPT als letztmalige Entscheidungsinstanz vor der WRC-19. Es hängt letztendlich davon ab, ob sich genügend CEPT-Verwaltungen (48!) in unserem Sinne dagegen entscheiden, den Frequenzbereich 144 – 146 MHz in den französischen Vorschlag einzubeziehen, bevor dieser zu einem gemeinsamen CEPT-Vorschlag wird. Das Kriterium lautet: Mindestens zehn CEPT-Länder müssen dafür sein, nicht mehr als sechs Länder dagegen.

Hier sind im weitesten Sinne alle Funkamateure gefordert. Es ist besonders wichtig, dass der Amateurfunk mit einer Stimme spricht.
Einzelinitiativen, eventuell mit "direkten Drähten" nach Berlin und/oder Brüssel helfen da nicht weiter.
Im Gegenteil, sie können massiv unserem Anliegen schaden, weil sie möglicherweise einem systematischen Vorgehen die Wirkungskraft nehmen.

Was wir aber alle tun können: Sicherstellen, dass auf dem 2-m-Band, wie auch auf den anderen Bändern, der Amateurfunk als eine wichtige gesellschaftliche Bereicherung wahrgenommen wird, der seinem gesetzlichen Auftrag (ITU Radio Regulation Artikel 25 und AFuG) angemessen nachkommt.

Inhalte und Stil von Amateurfunkaussendungen sollten von einer technischen und operativen Kompetenz bestimmt sein, Aus- und Eigenbildung von Jugendlichen und Erwachsenen hervorheben sowie technische Ideen und Lösungen beinhalten (WSJT, SDR-TRX, OSCAR, DATV, Funkwetter,
u.v.a.m.). Nicht zuletzt muss der Notfunk als einzige Kommunikations-Plattform bei Ausfall der öffentlichen Telekommunikation entsprechend herausgestellt werden.

Unterstützen wir deshalb die CEPT-Verwaltungen, die dem Amateurfunk aus diesen und anderen Gründen grundsätzlich positiv gewogen sind.
Es ist in unser aller Verantwortung, diese Sympathien mit unseren QSOs auf allen Bändern täglich neu bestätigen.
Letztlich wird kein einzelner Kopf darüber entscheiden, wie es mit dem 2-m-Band weitergeht: Entscheidend ist die Gesamtstimmungslage aller Verwaltungen.

Wann immer wir uns im Ringen um den erfolgreichsten Weg auseinanderdividieren (lassen), verlieren wir an Kraft in diesem ungleichen Kampf.
Wir haben gerade vor ein paar Tagen wieder vernehmen können, was bestimmten Investoren "1 MHz Bandbreite" wert ist.
Unser "Kapital" ist der gesellschaftliche Beitrag zum Einsatz und Vermitteln von technischem Wissen und Begeisterung für die Funktechnik über das gesamte derzeit nutzbare Frequenzspektrum (137 kHz bis 250 GHz). Das hat uns bisher die Privilegien gesichert, um die uns andere Funkdienste nur beneiden.

Auf der letzten PTA Sitzung vom 17. – 21. Juni 2019 in Prag wurde dieser französische Antrag bereits ein erstes Mal diskutiert.
Das Referat Frequenzmanagement des DARC ist über seine Präsenz und Mitarbeit in der Nationalen WRC-Vorbereitungsgruppe seit Jahren in die Entwicklung der deutschen Position zu Vorschlägen, die Amateurfunkbänder tangieren, eingebunden. Der DARC wurde deshalb vor der PTA-Sitzung von der BNetzA aufgefordert, eine Stellungnahme zum französischen Vorschlag (neben anderen Frequenzbändern neuerdings auch 144-146 MHz bei AMS-Neuzuweisungen zu berücksichtigen) abzugeben.

Die in unserer Stellungnahme aufgeführten Argumente und Bedenken haben zusammen mit weiteren formalen Einwänden der BNetzA dazu geführt, dass sich zunächst nur der deutsche Vertreter gegen die Einbeziehung des Frequenzbandes 144-146 MHz in Studien ausgesprochen hat.

Da der französische Antrag sehr kurzfristig vor der Sitzung eingebracht wurde, war es vielen Fernmeldeverwaltungen wohl nicht mehr möglich, eine interne Abstimmung herbei zu führen.
Wir brauchen auf der nächsten CPG Sitzung am 17. August in Ankara noch weitere fünf Fernmeldeverwaltungen (also insgesamt sechs), die gegen das Ansinnen Frankreichs stimmen.
Auf der HAM RADIO hat es bereits eine Besprechung aller anwesenden IARU-Mitgliedsverbände hierzu gegeben.
Eine gemeinsame Strategie wurde dabei abgestimmt.

Christian Entsfellner
DL3MBG
DARC Vorstandsmitglied
RTA Vorsitzender

Quelle: https://forum.darc.de/viewtopic.php?f=14&t=2521


Was können wir Funkamateure nun tun?

Nicht sinnvoll sind irgendwelche unüberlegten oder unkoordinierten Aktionen, so wie Christian Entsfellner (DL3MBG) das im Statement bereits geschrieben hat.

So ganz untätig muss man als Funkamateur aber trotzdem nicht sein. Was kann jeder für sich tun?

  • Auf dem 2m Band aktiv sein und Funkbetrieb machen, Ortsrunden aktivieren.
  • 2m Conteste durchführen und daran teilnehmen.
  • Die bestehende 2m Infrastruktur für den Notfunk ausbauen und öffentlich darstellen.
  • APRS Aktivitäten betreiben und öffentlich darstellen.
  • Kontakte zur ISS her- und öffentlich darstellen.
  • Selbstbau betreiben, öffentlich darstellen und fördern!
  • Sich als Funkamateur in der Öffentlichkeit zeigen und entsprechend verhalten.
  • Mitgliedschaft im DARC e.V. oder VFDB e.V. oder anderen Organisationen der Funkamateure anstreben und mitmachen.
  • Den Amateurfunkdienst als technisch-/wissenschaftlichen Funkdienst vertreten und repräsentieren.
  • An der aktuellen Petition von M0XTA (Selim) teilnehmen. TIPP